Kategorie: Usability

SEO konkret – der Fall Assofide

Soeben haben wir die Suchmaschinenoptimierung der Site www.assofide.ch abgeschlossen. Assofide ist eine Immobilienagentur in Locarno. Nebst der üblichen Vermittlung von Liegenschaften betreibt Assofide auch die Verwaltung von Stockwerkeigentum, ein Treuhandbüro und sogar ein kleines Übersetzungsbüro.

Villen und Wohnungen kauft man nicht jeden Tag wie frische Brötchen. Deshalb kann sich eine Immobilienfirma nicht auf Stammkunden abstützen, sondern muss laufend neue Kunden finden. In Google prominent zu erscheinen ist folglich besonders wichtig.

Ein Interview mit Master Fu.

Herr Fu, wie war die Situation vor Ihrem Einsatz?

Das Bild war uneinheitlich. Der Suchbegriff „Immobiliare Locarno“ zeigte Assofide auf Platz eins! Für wichtige Suchbegriffe wie „Haus kaufen Locarno“ oder „Wohnung mieten Locarno“ erschien Assofide hingegen überhaupt nicht unter den ersten 500. Offengestanden, im ersten Moment konnten wir uns ein so schlechtes Resultat nicht erklären.

Was haben Sie als erstes unternommen?

Die Website besteht seit zehn Jahren und wurde in dieser ganzen Zeit nur punktuell verbessert. Wir empfahlen, die ganze Website vom alten System mit Frames auf das aktuelle XHTML umzuschreiben, weil dies von Suchmaschinen besser erfasst wird. Als zweite technische Massnahme wechselten wir von Tabellen zum moderneren Code mit DIV (tableless design).

Diese technischen Sachen verstehe ich nicht…

Ja, das ist natürlich eher was für Experten. Wir haben uns aber nicht nur auf technische Tricks beschränkt. Unsere Analyse zeigte, dass Begriffe wie „Hauskauf“ oder „Tessin“ gar nicht im Text der Website vorkamen. Bei der Herstellung der Website schien es selbstverständlich, dass bei einer Immobilienagentur um Hauskauf geht und dass Locarno im Tessin liegt, und so wurden diese Fakten nicht ausdrücklich erwähnt, obwohl sie natürlich der Suchmaschine unbedingt mitgeteilt werden müssen.

In Diskussion mit dem Kunden erarbeiteten wir die wichtigsten Suchbegriffe. Diese Suchbegriffe schrieben wir einfach in den sichtbaren Text und ersetzten zum Beispiel den Link „Informationen über neue Einträge in der Datenbank“ mit „Information über neue Villen, Häuser und Wohnungen zu verkaufen im Tessin“. Linktexte, d.h. klickbare Texte, werden von Google höher bewertet, und so haben wir Google eine deutliche Nachricht gesetzt, worum es auf dieser Website geht und für welche Suchbegriffe sie relevant ist.

Die Suchbegriffe haben wir auch an unsichtbaren Stellen auf der Website platziert, insbesondere im ALT-Feld des Logos, das ist ein verborgener Text, der Sehbehinderten sagt, um was es bei einer Grafik geht. Das Logo oben links ist das erste Element einer Seite, und aus diesem Grund zeigt Google manchmal den Text dieses ALT-Felds in den Suchresultaten an.

Ein gutes Suchresultat ist eins, aber wenn die Benutzer nicht drauf klicken, dann bringt es nichts.

Stimmt. Ein gutes Snippet ist wichtig, damit die Benutzer ein Suchresultat anklicken. Das Snippet ist der kleine Text unter dem Titel in den Suchresultaten.

Hier haben wir die bisherige Angabe der Adresse durch einen dem Inhalt der Seite entsprechenden, werberischen Text ersetzt, z.B. „Hier finden Sie die Liegenschaft, die Sie immer gesucht haben. Freundliche und kompetente Beratung, grosse Branchenerfahrung.“

Das war alles?

Da wir gerade am Renovieren waren, tauchten beim Kunden viele Wünsche auf, die nicht direkt mit der Suchmaschinenoptimierung zu tun hatten und die wir in enger Zusammenarbeit mit der IT-Abteilung von Assofide erfüllten. Assofide, Immobilienagentur in LocarnoBeispielsweise verbesserten wir die Benutzerführung, indem wir die zahllosen sich neu öffnenden Fenster abschafften. Zur Präsentation der Kaufobjekte richteten wir eine Bildergalerie im Facebook-Stil ein, mit abgedunkeltem Hintergrund und Vorwärts/Zurück-Mechanik. Die Listen der Kauf- und Mietobjekte bestanden bisher in einer einzigen, sehr sehr langen Seite. Wir richteten kurze Seiten ein, mit der Möglichkeit unten von Seite zu Seite zu blättern. Lauter Usability-Massnahmen, die den Besuch der Website sehr viel angenehmer gestalten.

Und wie steht’s mit den Resultaten?

In den wenigen Tagen, seit wir live gegangen sind, ist noch keine Veränderung zu sehen, denn Google hat die Site noch nicht neu erfasst (crawling). Es dürften vier bis sechs Wochen vergehen, bis Google die neuen Seiten besucht und die Bewertung neu errechnet. Wir sind natürlich sehr gespannt.

Lassen Sie uns wissen, wenn Sie auch mit „Haus kaufen Locarno“ auf Platz 1 landen.

Unbedingt! :-)

 

Text wird immer wichtiger

E-Mail ersetzt das Telefon, Webseiten machen dem Fernsehen Konkurrenz. In den elektronischen Medien ist der geschriebene Text viel wichtiger als die gesprochene Sprache – eine Tendenz mit Zukunft, denn das Auge kann Information dichter und schneller aufnehmen als das Ohr.

Mit der Informationsflut ändert sich das Leseverhalten: immer mehr Überfliegen und Auswählen von nützlichen Textbruchstücken statt vollständiges Lesen von Anfang bis Schluss. Deshalb müssen komplexe Sachverhalte einfach, kurz und doch korrekt dargestellt werden. Die knappe, präzise und ansprechende Formulierung von Texten ist ein zentraler Bestandteil erfolgreicher Kommunikation und in elektronischen Medien von noch entscheidender Bedeutung als in traditionellen.

Transparent wie Glas

Idealerweise ist Sprache durchsichtig wie ein Fenster. Wir nehmen nicht die Sprache wahr, sondern direkt den mitgeteilten Sinn. Es ist, als ob wir durch ein sauberes Fenster hindurch auf die Umgebung schauten. Erst wenn Unklarheiten und Fehler auftauchen – Schmutz auf der Scheibe –, werden wir gewahr, dass da ein Fenster ist, dass Sprache verwendet wird.

Einmal schreiben, überall publizieren?

Cross-Media ist der Traum, Inhalte ein einziges Mal zu schreiben und anschliessend in verschiedenen Medienkanälen zu publizieren. Doch denselben Text zu verwenden, kann nicht funktionieren, denn zu sehr unterscheidet sich das Lesen auf dem Bildschirm vom Lesen auf Papier. Texte müssen mediengerecht aufbereitet werden, und dies kann keine Maschine, sondern dafür ist der menschliche Autor nötig.

Master Fu schreibt für Sie

Master Fu interessiert sich nicht nur für Kalligraphie, sondern ist auch ein kompetenter Spracharbeiter. Der bewusste Einsatz von Text trägt wesentlich dazu bei, dass sich unsere Websites mühelos bedienen lassen. Funktionalen Kleintexten wie Navigationshilfen, Beschriftungen von Knöpfen und Links, Fehlermeldungen etc. widmen wir viel Aufmerksamkeit. Inhaltstexte verfeinern wir, vereinfachen wo nötig, geben der Marketingbotschaft mehr Schärfe und bringen sie in eine mediengerechte Form.

Wen, der Text

Eines der ältesten chinesischen Zeichen. Vermutlich stellt es die Maserung im Holz oder die Wellen auf der Wasseroberfläche dar.

“Wen” ist der Inbegriff der Kultur und steht im Gegensatz zu “Wu”, dem Militärischen, Kriegerischen.

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Steve Krug – Don’t Make Me Think

Das Buch “Don’t Make Me Think” (auch deutsch unter diesem Namen; amazon) von Steve Krug gilt als eines der beliebtesten und meist empfohlenen Werke unter anerkannten Webdesignern. Das Buch ist selbst Ausdruck der darin vertretenen Ideen und entsprechend prägnant und unterhaltsam geschrieben.

1. Regel: Don’t make me think

Die Website soll nicht nur selbsterklärend sein („Es steht ja da, was zu tun ist“ genügt nicht), sondern offensichtlich. Denn es gibt praktisch keine Besucher, die sich für die Funktionalität der Website interessieren. Was der Besucher will, sind Inhalte. Er will nicht nachdenken beim Navigieren, sondern möglichst reibungslos und „dumm“ zum Ziel finden.

Besucher wursteln sich durch. Sie fällen suboptimale Entscheide ohne alle vorhandenen Optionen in Betracht zu ziehen. Die erste halbwegs annehmbare Möglichkeit wird geklickt. Deshalb ist es wichtig, dass Links, Buttons etc. wenn immer möglich nur eine einzige Interpretation zulassen.

Von dieser Hauptregel leiten sich weitere Regeln und Hinweise ab.

  • Klare visuelle Hierarchie
  • „Gedankenlose“ Wahlmöglichkeiten bieten Lieber zahlreichere, dafür einfache Klicks statt wenige, dafür komplizierte oder falsche. Die 3-Klick-Regel ist falsch.
  • Streiche unnötige Worte(Meine persönliche Lieblingsregel)

Krug verwendet den Begriff „Religionskriege“ für die Konflikte, die sowohl zwischen den verschiedenen Teammitgliedern einer Webagentur als auch zwischen Kunden und Webagentur oft auftreten.

Webdesigner auf dem Schlachtfeld.

Der Weg aus der Sackgasse besteht darin, statt nach „richtig/ falsch“ nach „funktioniert/ funktioniert nicht“ zu fragen, mit anderen Worten: User-Tests sind nötig. Ganz einfache, mit beliebigen aussenstehenden Personen in einer halben Stunde durchgeführte Tests genügen, um aus den Schützengräben persönlicher Überzeugungen auszubrechen und konstruktive Lösungen zu finden.

Bin ich also Krug-Fan?

Das Buch überzeugt in Form und Inhalt. Krug zeigt sich als undogmatischer Denker, wenn er beispielsweise einräumt: Es gibt immer Ausnahmen, aber wer den Benutzer dazu zwingen will, beim Navigieren nachzudenken, der sollte sehr genau wissen, warum er es tut!

Einen argen Dämpfer erlebte ich dann leider beim Blick auf Krugs eigene Website sensible.com.

Die Website von Steve Krug - unschön!

Ein Erscheinungsbild, das in den 90er Jahren stehen geblieben ist, und eine minimale Funktionalität, die sich erfolgreich wehrt, in irgendeiner Form ansprechend und… „schön“ zu sein! Schade, dass Steve Krug ein ebenso selbstkasteiendes, hässliches Bild von sich geben muss wie andere Usability-Experten.

Links:

sensible.com (Krugs Site)

Der Meister spricht. Video-Interview mit Steve Krug.