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Text wird immer wichtiger

E-Mail ersetzt das Telefon, Webseiten machen dem Fernsehen Konkurrenz. In den elektronischen Medien ist der geschriebene Text viel wichtiger als die gesprochene Sprache – eine Tendenz mit Zukunft, denn das Auge kann Information dichter und schneller aufnehmen als das Ohr.

Mit der Informationsflut ändert sich das Leseverhalten: immer mehr Überfliegen und Auswählen von nützlichen Textbruchstücken statt vollständiges Lesen von Anfang bis Schluss. Deshalb müssen komplexe Sachverhalte einfach, kurz und doch korrekt dargestellt werden. Die knappe, präzise und ansprechende Formulierung von Texten ist ein zentraler Bestandteil erfolgreicher Kommunikation und in elektronischen Medien von noch entscheidender Bedeutung als in traditionellen.

Transparent wie Glas

Idealerweise ist Sprache durchsichtig wie ein Fenster. Wir nehmen nicht die Sprache wahr, sondern direkt den mitgeteilten Sinn. Es ist, als ob wir durch ein sauberes Fenster hindurch auf die Umgebung schauten. Erst wenn Unklarheiten und Fehler auftauchen – Schmutz auf der Scheibe –, werden wir gewahr, dass da ein Fenster ist, dass Sprache verwendet wird.

Einmal schreiben, überall publizieren?

Cross-Media ist der Traum, Inhalte ein einziges Mal zu schreiben und anschliessend in verschiedenen Medienkanälen zu publizieren. Doch denselben Text zu verwenden, kann nicht funktionieren, denn zu sehr unterscheidet sich das Lesen auf dem Bildschirm vom Lesen auf Papier. Texte müssen mediengerecht aufbereitet werden, und dies kann keine Maschine, sondern dafür ist der menschliche Autor nötig.

Master Fu schreibt für Sie

Master Fu interessiert sich nicht nur für Kalligraphie, sondern ist auch ein kompetenter Spracharbeiter. Der bewusste Einsatz von Text trägt wesentlich dazu bei, dass sich unsere Websites mühelos bedienen lassen. Funktionalen Kleintexten wie Navigationshilfen, Beschriftungen von Knöpfen und Links, Fehlermeldungen etc. widmen wir viel Aufmerksamkeit. Inhaltstexte verfeinern wir, vereinfachen wo nötig, geben der Marketingbotschaft mehr Schärfe und bringen sie in eine mediengerechte Form.

Wen, der Text

Eines der ältesten chinesischen Zeichen. Vermutlich stellt es die Maserung im Holz oder die Wellen auf der Wasseroberfläche dar.

“Wen” ist der Inbegriff der Kultur und steht im Gegensatz zu “Wu”, dem Militärischen, Kriegerischen.

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Steve Krug – Don’t Make Me Think

Das Buch “Don’t Make Me Think” (auch deutsch unter diesem Namen; amazon) von Steve Krug gilt als eines der beliebtesten und meist empfohlenen Werke unter anerkannten Webdesignern. Das Buch ist selbst Ausdruck der darin vertretenen Ideen und entsprechend prägnant und unterhaltsam geschrieben.

1. Regel: Don’t make me think

Die Website soll nicht nur selbsterklärend sein („Es steht ja da, was zu tun ist“ genügt nicht), sondern offensichtlich. Denn es gibt praktisch keine Besucher, die sich für die Funktionalität der Website interessieren. Was der Besucher will, sind Inhalte. Er will nicht nachdenken beim Navigieren, sondern möglichst reibungslos und „dumm“ zum Ziel finden.

Besucher wursteln sich durch. Sie fällen suboptimale Entscheide ohne alle vorhandenen Optionen in Betracht zu ziehen. Die erste halbwegs annehmbare Möglichkeit wird geklickt. Deshalb ist es wichtig, dass Links, Buttons etc. wenn immer möglich nur eine einzige Interpretation zulassen.

Von dieser Hauptregel leiten sich weitere Regeln und Hinweise ab.

  • Klare visuelle Hierarchie
  • „Gedankenlose“ Wahlmöglichkeiten bieten Lieber zahlreichere, dafür einfache Klicks statt wenige, dafür komplizierte oder falsche. Die 3-Klick-Regel ist falsch.
  • Streiche unnötige Worte(Meine persönliche Lieblingsregel)

Krug verwendet den Begriff „Religionskriege“ für die Konflikte, die sowohl zwischen den verschiedenen Teammitgliedern einer Webagentur als auch zwischen Kunden und Webagentur oft auftreten.

Webdesigner auf dem Schlachtfeld.

Der Weg aus der Sackgasse besteht darin, statt nach „richtig/ falsch“ nach „funktioniert/ funktioniert nicht“ zu fragen, mit anderen Worten: User-Tests sind nötig. Ganz einfache, mit beliebigen aussenstehenden Personen in einer halben Stunde durchgeführte Tests genügen, um aus den Schützengräben persönlicher Überzeugungen auszubrechen und konstruktive Lösungen zu finden.

Bin ich also Krug-Fan?

Das Buch überzeugt in Form und Inhalt. Krug zeigt sich als undogmatischer Denker, wenn er beispielsweise einräumt: Es gibt immer Ausnahmen, aber wer den Benutzer dazu zwingen will, beim Navigieren nachzudenken, der sollte sehr genau wissen, warum er es tut!

Einen argen Dämpfer erlebte ich dann leider beim Blick auf Krugs eigene Website sensible.com.

Die Website von Steve Krug - unschön!

Ein Erscheinungsbild, das in den 90er Jahren stehen geblieben ist, und eine minimale Funktionalität, die sich erfolgreich wehrt, in irgendeiner Form ansprechend und… „schön“ zu sein! Schade, dass Steve Krug ein ebenso selbstkasteiendes, hässliches Bild von sich geben muss wie andere Usability-Experten.

Links:

sensible.com (Krugs Site)

Der Meister spricht. Video-Interview mit Steve Krug.